Ein Leben mit Pausetaste

Gabz erstaunlich, wie oft man „Ja, aber…“ hört, wenn man etwas absagt. Absagen muß. Wegen Krankheit. Ja aber hilft halt nicht, wenn es nicht geht, es würde noch weniger helfen wenn jemand tot umfällt. Trotzdem, immer wieder „Ja, aber…“. 

Unersetzlich ist niemand, es wird schon gehen. Wie praktisch es wäre, hätte man eine Pausentaste. Drücken, sich um etwas kümmern, gesund werden, etwas Erholung, und dann ginge ab dem Pausenpunkt es so weiter wie davor. Aber so läuft es nun mal nicht, so unterteilt sich das Leben in ein Davor und ein Danach. 

Also, mit den Untersuchungen bin ich soweit durch. Die Befürchtung hat sich bestätigt, ich habe Krebs. Plattenepithelkarzinom, du olle Hippe, dich kenne ich ja schon. Aber es gibt auch gutes zu berichten, sogar einiges. Der Tumor liegt oben am Mageneingang, ist kompakt und begrenzt, in Leber und Lunge ist nichts. Ein Lymphknoten daneben ist verdächtig, aber was da im Umfeld liegt fliegt sowieso mit raus. Das Grading (eine Skala von 1 – 4 der Bösartigkeit des Gewebes) ist 2. 
Das alles macht die Sache gut behandelbar. Oh, es wird ein Gemetzel, es wird dauern, es wird schmerzhaft und ich werde danach wohl eine Chemotherapie bekommen. Auch kein Zuckerschlecken. Aber dann kommt das Danach von dem ich oben schrieb, und obwohl es anders sein wird als das Davor, freue ich mich darauf. 

Mein Mann hat schon alles klar gemacht, er wird weniger arbeiten. Er will sich um mich kümmern, und um unsere Tiere. Er ist für mich da, er stützt mich und hilft wo er kann. Wir verbringen gerade viel Zeit miteinander, reden, kuscheln, und planen alles so gut es geht. 

Ich versuche mir etwas anzufuttern, denn ich bin sehr schlank, und das ist vielleicht das größte Problem. Kein Quentchen Fett am Körper zu haben, keine Reserven für eine große Operation und die folgende Durststrecke, das ist nicht ideal. Also gibt es Junk Food en masse, und dazwischen Carbo-Eiweiß Shakes. Ich hoffe es wirkt. Mein Metabolismus hält mich stets am unteren Idealgewicht; ich koche gut und deftig, mein Schatz hat seit wir uns kennen bei gleicher Ernährung 20 Kilo zugelegt. Am „Sag mal, isst du nichts?“ liegt es also nicht. Seit meiner Pubertät bin ich dünn. Bin ich mal eine Woche krank, sind ganz schnell zwei Kilo weg. Jetzt sind über vier Kilo futsch, damit bin ich eigentlich untergewichtig. 
Aber man wird sehen. Am Mittwoch habe ich ein Gespräch in der Klinik, dann wird das weitere Vorgehen beschlossen. Nochmals vielen Dank für den ganzen Zuspruch, die vielen gedrückten Daumen, lieben Wünsche und Gebete. Alles ist willkommen, und ich finde es hat geholfen. Ich bin weit entfernt vom Worst Case Szenario, und auf dem Weg ins Danach.

Über George

Bild: "Selbstbildnis mit iPad und brennender Nase" im futuristisch retro-kubistischen Knorpelstil. Über mich erzählen könnte ich einiges, aber das würde nur alle verprellen...
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22 Antworten zu Ein Leben mit Pausetaste

  1. trish´n´chips schreibt:

    Was soll ich sagen? Ich freue mich mit dir auf Danach, drücke die Daumen für das was kommt❤
    Und danke an deinen Mann. Ihr schafft das!

  2. Kurt Saar-Schnitt schreibt:

    „…Wir verbringen gerade viel Zeit miteinander, reden, kuscheln und planen alles so gut es geht…“ – ich bin froh zu lesen, dass Ihr Mann für Sie und die Tiere da sein kann. Es ist so immens wichtig, jemanden an seiner Seite zu haben, der liebt und sich kümmert. Und Daumen drücken und ganz viele gute Wünsche senden, das mach dann mal ich (zusammen mit den vielen anderen Ihnen zu Recht wohlgesonnenen Menschen natürlich).❤

    • George schreibt:

      Ja, Rückhalt ist wichtig. Ich bin schon sehr froh um die viele Unterstützung aus meinem Umfeld. Das trägt mich gerade vorwärts. Das, und ein gewisses Maß an Trotz, es diesem Ding in meinem Körper zu zeigen.
      Wie sagt man so schön? „Alles raus, was keine Miete zahlt“.

  3. Nina M. J. schreibt:

    😥

    Ich weiß nicht, was ich sagen soll…❤

  4. Ich drück Dich und Dir die Daumen und bin zuversichtlich, dass alles gut wird ❤️

  5. Lilith schreibt:

    Ich schicke Dir einen ganzen Strauß guter, bunter Lilithgedanken von K- nach M-Town, lieber Cookie und denke fest an Dich.❤

  6. Taste schreibt:

    Ei Cookie… so lange nichts mehr gelesen und gehört voneinander und jetzt lese ich schon länger „heimlich“ bei Dir hier und war erst verunsichert, ob das „unser“ Teufelskoch ist…?. SCHÖN!!! Dich hier zu treffen. Ich denke auch an Dich, sowieso, unabhängig von dieser ollen Hippe da, davor, danach und überhaupt!!! ♥♥♥♥♥♥♥♥ ♥♥♥♥♥♥♥♥ ♥♥♥♥♥♥♥♥

    Die olle Taste (leider ohne Pausenfunktion)

  7. entegutallesgut schreibt:

    Ich denke fest an dich – und lass dich nicht unterkriegen. Ja, Unkraut verdirbt nicht, also mach‘ da bittschön keine Ausnahme. Fokussiere die gesunde Zukunft und hake peu à peu alle notwendigen Maßnahmen zur Gesundwerdung ab. Lass dich von Geborgenheit und Liebe umhüllen, das tut so gut und gibt Kraft! Sonst will ich dir keine guten Ratschläge geben, nur so viel: Ich denke an dich und schließe dich in mein Abendgebet ein (ja, seit 3 Jahren bete ich jeden Abend). Alles wird gut! Dickes Bussi nach Minga!

    • George schreibt:

      In der langen dunklen Nacht,
      lieber Gott, hab auf mich acht.
      Schütze alle, die ich lieb,
      alles Böse mir vergib.
      Kommt der helle Sonnenschein,
      lass mich dann wieder fröhlich sein.

      Das hat meine Oma immer mit mir gebetet, wenn sie mich ins Bett gebracht hat.

      Ich bin seh ruhig und optimistisch. Noch. Vielleicht ändert sich das am Mittwoch, bei der Besprechung in der Klinik. Ich schwanke noch zwischen möglichst genau nachfragen, und manches gar nicht wissen wollen (z.B. wie sie mich da vom Bug bis zum Heck aufschneiden).
      Aber das entscheidet sich im Gespräch. Und ab da wird es wohl sehr schnell gehen. Mir sehr recht, dann ist das Ding raus und ich habe es hinter mir.

      • entegutallesgut schreibt:

        Klingt jetzt blöd, wenn ich sage aus dem Bauch entscheiden. Aber du weißt, wie es gemeint ist. Manchmal ist es ganz gut, wenn man nicht alles bis ins Detail weiß.
        (PS – beim Gebet deiner Oma ist mir gleich das Wasser in den Augen gestanden.)

  8. keinzahnkatzen schreibt:

    Das klingt sehr vernünftig. Ich denke, dass deine Idee, flexibel zu bleiben, was die Detailgenauigkeit und die Menge der Informationen angeht, auf jeden Fall richtig ist. Du willst ja auch verarbeiten können. Und entscheiden. Das geht sicher besser, wenn du dich nicht ungefiltert vollballern lässt, sondern selbst bestimmst, wann und wieviel Input du brauchst.
    Ich hoffe, du wirst diesen uneingeladenen Untermieter sehr bald los und kannst mit dem Danach beginnen <333

  9. idgie13 schreibt:

    Oh mei oh mei …
    Das tut mir echt leid für Dich.
    Aber Grading 2 mit Schatzi, Hund, Katze, Maus, Überlebenswillen und Selbstheilungskräften schaffst Du!
    Wenn Du irgendwie das Bedürfnis hast, zu reden / zu telefonieren / zu schreiben, bitte melde Dich ungeniert. Ja? Bitte!

    Halt die Ohrwaschel steif und hau das Mistviech raus!

    Liebe Grüsse aus der Schweiz in die alte Heimat!

  10. doctotte schreibt:

    Das ist so einer der Fälle, bei denen der Button „Gefällt mir“ mehr als geschmacklos ist. Deshalb drücke ich ihn nicht, sondern schicke dir lieber ein paar Hugs rüber.
    Ich selbst bin ja zum Glück (noch) verschont von sowas. Aber ich habe Krebs in der Familie mitbekommen und erst letztes Jahr bei einer (übrigens ebenfalls sehr, sehr dünnen) Kollegin mitsamt Chemo. Was sie davon erzählt hat, wünsche ich meinen ärgsten Feind nicht. Das klingt jetzt hoffentlich nicht so, als wollte ich dir Angst machen. Im Gegenteil, ich wünsche dir, dass du es mit Hilfe deiner BH und von Freunden sehr gut schaffst. Ich drücke dir alle Daumen und wünsche dir, dass du wieder gesund wirst. (Und langsam sollst du auch mal ein paar Jahre durchweg gesund sein ohne Schulter oder solche Sachen!)
    Viele, viele liebe Grüße nach München!

    PS an die BH: Pass bitte gut auf George auf! Er ist es mehr als wert!

  11. Betty Bartkowiak schreibt:

    Sending all love, hope, power, energy, good feelings, a little weight and hugs over hugs. Betty

  12. blogbellona schreibt:

    deine einstellung ist bewundernswert und toll. ich höre jetzt auf zu heulen, gebe diesem drecksarschloch von krebs keine tränen mehr. zuversicht ist angesagt!

  13. George schreibt:

    Nicht weinen, bitte! Alles wird gut.

  14. Lakritze schreibt:

    Alles mögliche möcht ich wünschen; vor allem aber: daß Sie Herr Ihrer Zeit bleiben. Und Ihren Ärzten: guten Blick & ruhige Hand. Und natürlich: Glück.

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