Planungsspiele

Jetzt sitze ich hier. Irgendwie war es früher einfacher. alles war einfacher.
Nach meiner Magenspiegelung vergangene Woche hat er Arzt ein wenig herumgeeiert. Ja, das könnte schon was sein, wäre es wohl auch. Aber erst einmal weitere Untersuchungen, MRT und so weiter. Ich habe den Arztbrief nur hinüber zu meinem Hausarzt getragen, ohne hineinzusehen. Das wäre mir früher nicht passiert. Gott, wie habe ich mich verändert.

Ich lasse meine Krankengeschichte Revuee passieren. Nicht die vielen Blessuren die ich magisch anziehe, die Zerrungen, die Luxation, den Blinddarmdurchbruch, nein, die anderen Sachen. Die wirklich bösartigen.

Das erste Mal war noch von viel Optimismus begleitet. Wir machen das so und so, wir kriegen das hin, danach sind Sie so gut wie neu und können ganz normal leben.
Später kamen dann Schmerzen durch Haltungsschäden, Fehlstatik im Schultergürtel, Skoliose, Narbenschmerzen und Wehwehchen. Ja klar, da waren Muskeln und Nerven beschädigt worden, das war ja alles abzusehen. Ob man mir das nicht gesagt hätte? Äh, nö.

Dann Jahre später nochmal. Da fing man eine teure Lasertherapie an, ohne mir zu sagen daß meine Krankenkasse die gar nicht bezahlt. Arztwechsel. Ach, den Rest bekommen wir mit Bestrahlung weg. Alles paletti, alles weg.

Und jetzt bei der Magenspiegelung war da was. Anamnese. Ach, Sie hatten da am Oberkörper schon eine Strahlentherapie? Das erhöht das Risiko natürlich enorm.
Wussen Sie das nicht? Nein. Hat man wohl vergessen, mich darauf hinzuweisen.

Das hat was von großer Politik.

Eines muß ich sagen, die erste Behandlung war, obwohl kein Zuckerschlecken, noch die einfachste. Erstens war ich nach der Diagnose so geschockt, daß ich wie auf Autopilot das ganze Programm durchlief; zweitens war da der Gedanke alles würde gut. Das hatte man mir so gesagt. Meinen jugendlichen Optimismus vermisse ich gerade mehr denn je.

Dazu hatte ich keinen Partner der hart arbeitet obwohl er selbst nicht der gesündeste ist, keinen Kater der so doof ist sich in der Wohnung Bänder zu zerren, keinen alten kranken und senilen Hund um den sich jemand kümmern muß, und keine Mutter die ich vor dem Rückfall in den Alkoholismus bewahren will.

Ich warte jetzt ab, lasse mich weiter untersuchen, und plane nebenbei vor mich hin. Plane das unplanbare. Ich will das hier nur erklären, weil mich viele liebe und besorgte Nachrichten erreichen. Die Networks sind eben doch social, kann man sagen was man will. Dank an alle für die guten Wünsche.
Sobald ich mehr weiß, schreibe ich das hier. Und natürlich werde ich mich auf Twitter ordnungsgemäß krank melden, wenn es soweit ist.

Über George

Bild: "Selbstbildnis mit iPad und brennender Nase" im futuristisch retro-kubistischen Knorpelstil. Über mich erzählen könnte ich einiges, aber das würde nur alle verprellen...
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18 Antworten zu Planungsspiele

  1. trish´n´chips schreibt:

    Ich kann dieses „starre“ Gefühl sehr gut nachvollziehen. Auch die Verpflichtungen, die einen erdrücken und gleichzeitig aufrecht halten.
    Ich drücke dir alle Daumen und hoffe nur das beste.
    Ich erwarte sogar Gutes zu hören – ganz eigennützig. Meine Spiegelung ist im Oktober. „Aus akuten Gründen“ ….. machen wir einfach mal weiter, ok?
    <333

  2. watsonjena schreibt:

    Hier nochmal ALLES GUTE, finde deinen Optimismus wieder das ist wichtig!

  3. keinzahnkatzen schreibt:

    Ach du dickes Elend!
    Ich finde es sehr vernünftig von dir, die Dinge einerseits erst einmal auf dich zukommen zu lassen und andererseits auch doch zu hinterfragen. Wozu sonst hätten wir Erfahrungen, wenn sie uns so gar nicht klug machten?
    Partner, Kater und Dackel (und auch deine Mutter) bringen Verpflichtungen, aber auch Bindungen ans Leben. Bindungen, die auch Energie abgeben. Aber das weißt du ja selbst.
    Nutze die sozialen Netzwerke zum Austausch über die schlimmen Dinge. Du kannst davon profitieren und das Netzwerk auch. Wenn wir Twitter noch Menschlichkeit zutrauen, wird es sie genau deswegen auch geben! Lass es uns wissen, wenn wir was tun können.
    Wir drücken alle Daumen und Krallen für dich und schicken sehr viel Kleinerdrei!

    • George schreibt:

      Wunderbarer Kommentar genau zur rechten Zeit. Eben fing ich an mich zu fragen, ob ich das eigentlich für mich oder nur für andere mache. Wie die Gedanken halt so anfangen zu kreisen.

  4. Kurt Saar-Schnitt schreibt:

    Nur ein Kleinerdrei zu senden, erscheint in Anbetracht der geschilderten Lage etwas albern. Dennoch sende ich eines, da ich nichts Besseres weiß um auszudrücken, dass ich an Sie denke und Ihnen und Ihrer Familie wünsche, dass eben doch alles gut wird.❤

    • George schreibt:

      Ein Kleinerdrei ist schon viel, wenn die Worte fehlen. Ich war selbst schon oft genug in der Situation. Was sag ich jetzt, was schreibe ich da? Man ist einfach hilflos.

      Danke❤

  5. G3witt3rwolk3 schreibt:

    Wenn man ein unschönes Gefühl hat und das dann bestätigt wird… Ach mein Lieber, pass gut auf Dich auf, warte ab und geh die erforderlichen Schritte. Besinne Dich auf das wirklich Wichtige, das bist momentan eindeutig Du. Welt retten bitte auf später verschieben. Ich weiß, daß klingt hart, aber ich sage es aus gemachten Erfahrungen heraus. Ich stehe hinter Dir und sende Dir soviel Kraft, Stärke und Optimismus wie ich kann. Und hoffe, das alles wieder gut wird. ♡

  6. Oh nein, was ein Albtraum. Ich kann gut nachvollziehen, dass die Gedanken dann wie wild um Familie und Haustiere kreisen, dabei ist das ja das geringste Problem, erfahrungsgemäß, motiviert aber sich auf beide Beine zu stellen und so eine schwere Zeit durchzustehen.
    Ich drücke Dich janz doll und bin immer mir meinen Gedanken bei Dir 💞

  7. entegutallesgut schreibt:

    Konzentriere dich primär auf dich selbst. (Nur so viel, ich habe es auch nicht getan. Überlegt, wie andere deine Krankheit verkraften. So viele Gedanken um dein Umfeld, aber wo bist du?) Ich glaube daran, dass du diese Hürde auch nehmen wirst, lieber G. Zu viel wartet noch auf dich, das ge- und erlebt werden muss. Pass auf dich auf! Streichle dein Herz und deine Seele. So viele liebe Menschen, die im Gedanken bei dir sind – ich auch. Alles erdenklich Gute!

  8. holladihia schreibt:

    Angesichts der ersten Hälfte des Jahres möchte man fast jeden Optimismus verlieren und deine bisherigen Erfahrungen machen es nicht eben besser, aber da ist noch der Umstand, dass diejenigen, die Glück hatten, die gesund geworden sind und denen es gut geht weder in den Nachrichen noch in sonstiger Berichterstattung auftauchen. Und glaub mir, das sind Millionen. Jede Einzelne hat seine individuelle Geschichte, seine ganz persönliche Sicht auf die Dinge und seinen eigenen Weg zu gehen. Für dich solltest momentan nur du selbst zählen. Es ist kein Egoismus, es ist dein Kampf um dich selbst. Kraft und Durchhaltevermögen wünsche ich dir – von ganzem Herzen.❤

    • George schreibt:

      Danke. Erst einmal brauche ich einen Überblick über das Schlachtfeld. Und eine Strategie.
      Gerade heute merke ich, wie ich Dinge erledige, die mir sonst lästig waren. Die Prioritäten verschieben sich, und das meine ich nicht schlecht. Man meckert so gerne über Alltäglichkeiten,mund sollte doch froh sein um sie.
      Man soll sich freuen solange man seinen Kram erledigen kann, einen Unfall oder eine Diagnose später kann man es vielleicht nicht mehr. Das wird mir gerade wieder bewusst. Ich hätte das nie vergessen sollen. Aber andererseits, man würde wohl durchdrehen, wenn man immer so denken würde, immer eine Katastrophe im Kopf.

  9. wirrklich schreibt:

    Oh Baby, mir fehlen die Worte! Wir denken an dich.❤

  10. blogbellona schreibt:

    george. was lese ich da? ich wusste irgendwie nicht mal wirklich was von der vorgeschichte, ich verstehe deshalb auch gar nicht alles. haben wir nie darüber geredet?

    ich denke an dich.

    • George schreibt:

      Na ja, man breitet sowas nicht so aus, also die meisten tun das nicht. Du wärst überrascht, und ich war es auch, wieviele Leute mir auf Twitter ihre Geschichten erzählt haben, nachdem sie den Blogeintrag gelesen hatten. Natürlich privat, per DM.
      Krebs ist überall, ich sag es dir. Diese scheiß Krankheit.
      Aber ich habe mir bisher nicht von ihr unterkriegen lassen, und habe es auch jetzt nicht vor. Soviel steht fest, es ist ein einziger Tumor, mehr oder weniger kugelrund, keine Streuung, kein gar nichts. Also sehr gute Chancen.

      Morgen habe ich das Gespräch mit den Ärzten, dann wird alles weitere geplant.

      • blogbellona schreibt:

        Ich weiß, der Krebs hat mir dieses Jahr meinen Papa genommen. Ich vermisse die Zeit, in der diese Krankheit noch nicht allgegenwertig war. Als ich jünger war und noch nicht so viel mitgekriegt habe.

        Wie hat man den Tumor entdeckt? Hattest du Beschwerden?

        Ich drücke dir so sehr die Daumen, mein lieber George. Ich möchte mit dir das „Danach“ dann ein bisschen feiern, mal wieder persönlich, Sektchen und ein Gericht aus deinem Dampfgarer, oder?😉

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