Todo sobre mi madre. Eine kleine Beichte.

Am Montag kommt meine Mutter nach Hause. Sie war einige Zeit weg. Monate. Denn sie war krank, sehr krank.
Oder im Klartext, meine Mutter war auf Entzug. Das Problem besteht schon seit langer Zeit, rückwirkend betrachtet waren die letzten 25 Jahre eine Abwärtsspirale. Wie es so ist, ging es mit der Zeit immer schneller abwärts, und wie es auch so ist, macht man sich etwas vor. Meine Schwester und ich (und alle anderen in der Familie) hofften immer wieder, es ginge mal aufwärts, was es natürlich nie tat. Nicht auf Dauer.

So belogen wir uns und die Welt um uns, nicht so schlimm, arme Mama, wird schon wieder, es braucht nur Rücksicht, Nachsicht, Liebe. Pustekuchen. Sie hat uns die letzten Jahre das Leben immer schwerer gemacht mit ihren Ausbrüchen, Beschuldigungen, ihrem passiv-aggressiven Getue und zuletzt ihrer Paranoia. Alkoholpsychose nennt man das wohl. Irgendwann hatte sie dann einen lichten Moment, in dem sie selbst bei einer Beratungsstelle Hilfe suchte und an eine Entzugsklinik verwiesen wurde.

Montag kommt sie also wieder. Bei unseren Besuchen dort war sie ein völlig anderer Mensch, ausgeglichen und mit sich im Reinen. Aber die Bewährung kommt natürlich erst, wenn sie wieder in ihren Alltag zurückkehrt. Es wird anstrengend. Wieder mal. Aufmerksamkeit geben, zuhören, zureden, sich selbst zurückhalten. Zu optimistisch mag ich ehrlich gesagt gar nicht sein. Vorhin am Telefon redete sie schon wieder genervt und abfällig über andere in ihrer Therapiegruppe. Ich, ich, meine Probleme, alle anderen sind scheiße …

So, jetzt ist es raus. Ein paar Menschen wussten um das Problem. Bei meinem ältesten Freund C. habe ich öfters versucht mein Herz auszuschütten, immerhin kennt er mich schon sehr lange, und auch meine Mutter. Meine Gesprächsversuche wurden aber abgebügelt. „Deine Mama ist doch cool“, und basta. Er hält mich wohl für einen langweiligen Spießer, der nicht damit klar kommt, eine coole Mama zu haben. Sie war ja auch mal cool, aber das ist lange her, und oft in den letzten Jahren wäre mir ein „Hausmütterchen“ wie seine Mutter ehrlich gesagt lieber gewesen. Er denkt wohl ich lebe den Traum, eine Mischung aus Weeds, Desperate Housewives und Dallas, wo jede Ausfälligkeit ein Schenkelklopfer ist. Im echten Leben ist das aber nicht lustig.

So, jetzt ist das raus, und jetzt schenke ich mir einen Drink ein. Weil ich es kann. Ja, auch bei Twitter mache ich meine Saufsprüche. Aber ich kann auch ohne, und kontrolliere das immer wieder. Komische Sache mit der Sucht. Ich habe schon ganz andere Sachen genommen, und bin noch nirgendwo hängen geblieben. Von gewissen Substanzen lasse ich auch grundsätzlich die Finger, da will ich mein Glück gar nicht herausfordern.
In diesem Sinne: Prost!

Über George

Bild: "Selbstbildnis mit iPad und brennender Nase" im futuristisch retro-kubistischen Knorpelstil. Über mich erzählen könnte ich einiges, aber das würde nur alle verprellen...
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Eine Antwort zu Todo sobre mi madre. Eine kleine Beichte.

  1. Emannzer schreibt:

    Hallo George: Du hast mein tiefes Mitgefühl, da ich das Theater mit meiner Mutter nach über 30 Jahren schweren Alkohlkonsums hinter mir habe.

    Ich drücke die Daumen, dass deine Mutter durchhält und nicht bei der kleinsten Krise wieder einbricht.

    Alles Gute

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