Abschied

Mittwoch Abend erreichte mich eine schlimme Botschaft. Eine frühere Kollegin war verstorben.
Nun kam das nicht ganz aus heiterem Himmel, doch traf es mich wie ein Blitz. War sie doch weit mehr als eine Kollegin gewesen, sondern Lehrmeisterin, Muse, Freundin. Nicht nur beruflich, auch menschlich hat diese Frau mich geformt, vielleicht mehr als alle anderen. Fachliche Kniffe, das Theater, Geschichten von früher; vieles würde ich heute nicht wissen, können und kennen, wäre es nicht um sie gewesen. Ich wäre einfach nicht der Mensch, der ich bin.
Unser Job war nicht leicht, fast hätte ich meine Lehre damals hingeschmissen, wäre es nicht um sie gewesen. Aber das Lachen wog so vieles auf, und was haben wir gelacht. Diese Frau war lange ein Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben. Den ganzen Arbeitstag zusammen, meist die kurze Mittagspause, nicht selten auch in der Freizeit.
Ich habe sie stets bewundert, wie sie ihr Leben gemeistert hat, was sie alles erlebt hatte, was sie alles wusste und konnte, und welche Energie sie hatte. Und sie formte mich mit, zeige vieles auf, brachte mir vieles nahe. Habe ich schon erwähnt, wie viel wir dauernd gelacht haben?

Mittwoch Abend dann, da fühlte ich mich, als wäre das Lachen aus über 30 Jahren plötzlich verklungen. Nie wieder würde sie mit mir herumgackern, nie mehr mit mokierter Entrüstung „Aaarch, du bist sooo bleed!“ sagen. Ich habe geweint, um unser Lachen. Das ist natürlich egoistisch. Wir hier, wir denken nur an uns. Luise ist gestorben, wie sie es wollte. Kurze Krankheit, und sie, ganz klar im Kopf, entschied sich einfach zu gehen. Zum Pflegefall zu werden, war ihr stets ein Graus. Ihre Kinder waren bei ihr, und sie hat einfach losgelassen, ganz bewusst, im Kreis ihrer Familie. Sie konnte sich verabschieden und ging in Frieden und Würde hinüber. Ich gönne ihr das von Herzen.

Der Trauergottesdienst heute war wirklich schön, und vor allem passend. Der Pfarrer hatte ein schönes Gedicht parat, leider konnte ich mir nicht merken von wem es war. Auf die Frage, was von den Verstorbenen bleibt, antwortet die letzte Zeile
„…und unterm schwarzen Hut Erinnerung.“

Über George

Bild: "Selbstbildnis mit iPad und brennender Nase" im futuristisch retro-kubistischen Knorpelstil. Über mich erzählen könnte ich einiges, aber das würde nur alle verprellen...
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5 Antworten zu Abschied

  1. Andrea0966 schreibt:

    „Den eigenen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen müssen wir leben“*. Deshalb ist diese egoistische Sichtweise dessen, was man verloren hat, so zutiefst menschlich. Du hast einen schönen Nachruf geschrieben, und du wirst dich immer so liebevoll, wie es jetzt schon aus deinen Zeilen klingt, an sie erinnern. Das ist das Beste, was wir für unsere Toten tun können.

    *ich wusste den Verfasser mal, es ist jedenfalls nicht von mir, aber ich empfinde das als zutiefst wahr

  2. idgie13 schreibt:

    Das ist schwer. Mein aufrichtiges Beileid.

  3. Dexter Ward schreibt:

    Ich knuddel Dich janz dolle und kann Deine Trauer gut nachvollziehen. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an meine verstorbene Freundin denke und Tränen in den Augen habe. Wenn ein Dir so nahestehender Mensch stirbt, reißt er ein Loch, dass eigentlich kein anderer füllen kann.
    Mensch, was für ein scheiß Jahr!

  4. doctotte schreibt:

    Ich möchte nur eins schreiben: Sie kann und wird weiterlachen. In Deinem Herzen. Das ist das Schönste, was Du ihr jetzt schenken kannst. Lass dich drücken!

  5. ausgesucht schreibt:

    Ein trauriger Anlaß, der diesen Artikel auslöste – mein Beileid!
    Und doch scheint mir, daß Du mit Deinem: „wir denken nur an uns“ übers Ziel hinausgeschossen bist. Deine Zeilen belegen, daß Du an sie, an Euch denkst. Das ist gut, das ist wichtig – behalte es.

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