Dummerle, ich…

Lange Zeit dachte ich das Leben würde leichter, je länger es dauert. Das liegt vielleicht an meiner Kindheit, die ich als sehr sorglos und glücklich bezeichnen möchte. Nie haben mir die Erwachsenen den Eindruck vermittelt daß alles mühsam sei, und schon gar nicht daß ein kleines Kind es noch mühsamer machen könnte. Für mich war es toll, wenn in strengen Wintern der Schnee in der EInfahrt geschippt wurde und sich links und rechts von mir bis weit über meinen Kopf türmte. Oder wenn ich mit in den Heizölkeller ging, der außerhalb des Hauses unter der Garage war, und „mithelfen“ durfte die schweren Ölkannen die Treppen nach oben zu schleppen damit auch alles immer schön warm war. Dabei sein durfte ich ja überall, und ich war aus reiner Neugierde immer gerne nah am Geschehen.

Nun stellte ich jedoch irgendwann fest, das Leben ist hart, und es wird nicht leichter, ob mit oder ohne Kinder. Mit Bewunderung denke ich an meine Kolleginnen aus der Lehrzeit, die eine damals so alt wie ich jetzt und immer gut gelaunt, mittlerweile ist sie 75, und die andere, damals 57, jetzt schon 87 und trotz vieler Probleme ein verrücktes Huhn wie eh und je.

Waren frühere Generationen härter im Nehmen? Oder gab es zumindest früher mehr Stabilität an die man sich halten, an der man sich orientieren konnte? „Geh zur Post“, sagte meine Oma immer zu mir, „da hast du eine Stellung fürs Leben“. Die Post, das war damals ja noch alles vom miesepetrigen Schalterbeamten der persönlich die Briefmarken ausgab, bis zum pfiffig pfeifenden (verbeamteten?) Techniker, der knappe sieben Monate nach Antragstellung ins Haus kam um das langersehnte mausgraue Einheitstelefon anzuschließen. Gut daß meine Oma nicht mehr erleben musste daß ihre guten Ratschläge ihre Validität verloren, wie ein durchknipstes Zugbillet. „Geh doch zur Bahn…“ war übrigens Plan B meiner Oma.

Das ist es wohl, vieles ist heute einfach nicht mehr so leicht und langfristig planbar, und das macht es uns so schwer.

Über George

Bild: "Selbstbildnis mit iPad und brennender Nase" im futuristisch retro-kubistischen Knorpelstil. Über mich erzählen könnte ich einiges, aber das würde nur alle verprellen...
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10 Antworten zu Dummerle, ich…

  1. doctotte schreibt:

    Es mag schon sein, dass die mehr und mehr wegbrechenden Sicherheiten alles schwieriger erscheinen lassen. Immerhin sorgt der zunehmende Druck von allen Seiten auch dafür, dass man selbst schneller bereit ist, Druck auf andere auszuüben.

  2. maja schreibt:

    die meisten Leute bei der Post waren verbeamtet und beim Fernmeldeamt ebenfalls verbeamtet, Beamte auf Lebenszeit. und eine Pension von denen manch einer träumt. war auch richtig.
    und wie ist es heute ? heute ist nichts mehr planbar, von wegen geh halt zur Bahn oder zur Post.
    das ist nicht mehr so einfach und wenn, wird nichts mehr bezahlt.
    Schau nur was sie gemacht haben mit LIDL jetzt, plattgemacht, tausende menschen haben keine Arbeit, keinen Lohn und kein Brot mehr, obwohl dieser LIDL die Leute nur ausgenommen hat bis aufs Hemd.

    • George schreibt:

      Liebe Maja,
      irgendwie war dien Kommentar im Spam, ich hab das jetzt erst gemerkt. Komisch…

      Ich versuche immer noch mir klar zu werden ob die ‚gute alte Zeit‘ nun gut war oder nicht. Natürlich denke ich sehr gerne zurück, wer denkt nicht gerne an seine Jugend?
      Aber es ist natürlich auch sehr ungerecht, die Beamten von damals füttern wir noch heute durch, und die haben sich weiß Gott kein Bein ausgerissen für uns, die Kunden. Mussten sie auch nicht, die hatten sich ja echt fürs Leben eingerichtet. Heute wird man bei Post und Telekom auch nicht wirklich gut und nett bedient, aber heute verdienen die Leute so wenig und haben einen so unsicheren Arbeitsplatz, da verstehe ich es schon eher; nichts ist mehr sicher, man wird einfach abserviert damit der Börsenkurs neue Höhenflüge macht. Ob ich für einen Hungerlohn den ganzen tag nett sien möchte? Sicher nicht.

      Und es ist heute eigentlich überall so, was zum großen Teil daran liegt daß einfach keine Linie mehr in der Politik ist. Was heute noch gefördert und steuerbefreit ist, das kann morgen schon verboten sein. Wer will da noch groß investieren? Ich habe das Gefühl ich wurstle mich meinem Lebensabend entgegen, was dann sein wird, ob ich ein finanzielles Auskommen haben werde, kann mir keiner sagen.

  3. Maja schreibt:

    es ist schon merkwürdig, damals wollte jeder die Privatisierung von Post und Telekom haben, auch der Bahn, Besser ist es nicht geworden, denke ich. Schlimmer ists geworden. Denk mal an die Warteschleifen, wenn Du eine Störung melden willst. Ich bin ja wieder bei Provider Telekom, war vorher bei einem anderen. Ich bin mit der Telekom eigentlich sehr zufrieden, wenn nur die langen Wartezeiten an der Hotline nicht wären, wenn man eine Auskunft braucht.
    Aber so ist das heute, überall nur Hotlines. „Gedulden Sie sich noch einen kleinen Moment, der nächste freie Mitarbeiter ist sofort für Sie da“ und das hörst du dir dann 20 Minuten an, bis du entnervt aufgibst. Vielleicht ist das bei Dir nicht so oder bei deinem Provider.

    • George schreibt:

      Ich bin sofort als es ging weg von der Telekom, weil ich mich zu lange zu oft geärgert hatte. Bin dann zu M-Net gewechselt, das war auch echt ein super Service dort. Angerufen (zum Ortstarif!): Eine Störung? Ihre Leitung ist ok, dann liegts an Ihrem Modem. Schwupps! stand am nächsten Morgen um 7 Uhr ein UPS Mann mit dem neuen Modem vor der Tür!
      Ja, das war super, nur mittlerweile haben die so expandiert daß der Service auch ein wenig gelitten hat. Trotzdem bin ich insgesamt noch zufrieden; die Preise haben sich ja mittlerweile fast überall auf ein ähnliches Niveau eingependelt, aber wenn ich bei M-Net anrufe ist es immer noch zum Ortstarif!

  4. maja schreibt:

    jetzt muss ich doch mal nachsehen , was M-Net ist.
    das kenne ich nicht.

    • George schreibt:

      M-Net ist hier in München die lokale Telefongesellschaft, eine Tochter der Stadtwerke. Aber wie gesagt, seit die so am Expandieren sind geht die Servicequalität runter. Das M-Net Netz geht mittlerweile bis nach Augsburg und Nürnberg…

      • maja schreibt:

        ach so, ein regionaler Anbieter in München ist das. Wenn das Netzt jetzt natürlich bis Augsburg und Nürnberg geht, und nicht mehr Leute eingestellt werden, wird die Servicequalität wohl oder übel runtergehen.
        also ich bin mit Telekom sehr zufrieden, nervenaufreibend ist die Hotline, aber die braucht man ja nicht so oft. …😆

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